Zahlen und Fakten zu Plastiktüten

Was ist der Unterschied zwischen Einwegund Mehrwegtüten?

Einkaufstüte ist nicht gleich Einkaufstüte, denn es gibt hinsichtlich der Konzeption und Nutzung deutliche Unterschiede. Als Einweg-Tüten werden in diesem Hintergrundpapier leichte und dünnwandige Tüten bezeichnet, die nur für eine einmalige Nutzung zum Transport von Produkten aus dem Supermarkt nach Hause geeignet sind. Sie werden überwiegend aus Polyethylen mit hoher Dichte (HDPE) hergestellt. Einkaufstüten aus Polyethylen mit niedrigerer Dichte (LDPE) sind zwar etwas robuster, jedoch sind die in Supermärkten eingesetzten Modelle in der Regel nur sehr eingeschränkt wiederverwendbar, da sie schnell einreißen und bereits nach kurzer Zeit ausgetauscht werden müssen. Aus diesem Grund werden in Deutschland gebräuchliche Supermarkttüten aus LDPE in diesem Hintergrundpapier ebenfalls als Einweg-Tüten eingestuft.

Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr mehr Tüten als er tragen kann.Eine genaue, international anerkannte oder festgelegte Definition von Einweg- oder Mehrwegtüten gibt es nicht. Die Dicke von Tüten, welche in anderen Ländern als Einweg eingestuft und durch Regelungen mit Steuern oder Verboten belegt werden, weicht stark voneinander ab. Allerdings gibt es, wie beispielsweise in Australien, auch Definitionen, die vom Händler bereitgestellte Plastiktüten für den Transport von Produkten aus dem Supermarkt generell als Einwegtüten einstufen.

Unter Mehrweg-Tüten oder -Tragetaschen werden in diesem Hintergrundpapier solche verstanden, welche aufgrund ihrer besonderen Verarbeitung und Stabilität sehr häufig wiederverwendet werden können. Wegen ihrer hochwertigen Verarbeitung sollte ohne Probleme eine hohe zweistellige oder eine dreistellige Anzahl an Wiederverwendungen möglich sein.

Wie viele Plastiktüten werden eigentlich verbraucht und was passiert mit Ihnen?

1 Billion Stück – auf diese Anzahl wird der jährliche globale Verbrauch an Plastiktüten geschätzt [2]. Der Konsum von Plastiktüten und ihre Entsorgung tragen maßgeblich zu wachsenden Müllbergen in vielen Teilen der Welt und zur Belastung von Mensch und Umwelt bei. Nur ein Bruchteil der weltweit verbrauchten Plastiktüten wird recycelt, weiterverarbeitet oder thermisch verwertet. Etwa 90 Prozent der weltweit gebrauchten Plastiktüten landen auf Mülldeponien. In Abhängigkeit der eingesetzten Kunststoffe lagern sie dort 100 bis 500 Jahre lang bis zum vollständigen Zerfall [2]. berlintuetwas-fakten-statistik

1 Billion Stück – auf diese Anzahl wird der jährliche globale Verbrauch an Plastiktüten geschätzt [2]. Der Konsum von Plastiktüten und ihre Entsorgung tragen maßgeblich zu wachsenden Müllbergen in vielen Teilen der Welt und zur Belastung von Mensch und Umwelt bei. Nur ein Bruchteil der weltweit verbrauchten Plastiktüten wird recycelt, weiterverarbeitet oder thermisch verwertet. Etwa 90 Prozent der weltweit gebrauchten Plastiktüten landen auf Mülldeponien. In Abhängigkeit der eingesetzten Kunststoffe lagern sie dort 100 bis 500 Jahre lang bis zum vollständigen Zerfall [2].

Rund 500 Plastiktüten verwendet der Durchschnittseuropäer jährlich, inklusive der dünnen Obst- und Gemüsebeutel [3]. Das entspricht einem jährlichen Tütenaufkommen von über 251 Milliarden Stück in den 27 Ländern der europäischen Union. Betrachtet man ausschließlich Einweg-Tragetüten ohne Obst- und Gemüsebeutel, dann werden in der EU pro Kopf und Jahr 176 Stück verbraucht, was einer Jahresmenge von 88,4 Milliarden entspricht [4]. In der Regel werden diese Tüten nur einmal für den Transport von Waren verwendet. Im Jahr 2010 wurden in Europa insgesamt 750.000 Tonnen Einweg-Plastiktüten produziert [4]. Das entspricht dem Gewicht von 625.000 Wagen der Marke Volkswagen Golf. Kaum eine Plastiktüte wird einer stofflichen Verwertung zugeführt, sondern überwiegend verbrannt, deponiert oder im schlechtesten Falle weggeworfen. Die europäische Recyclingquote für Plastiktüten wird auf lediglich 6,6 Prozent geschätzt [4]. Für 39 Prozent der in Europa anfallenden Plastiktüten wird eine Verbrennung unter Teilenergierückgewinnung und für weitere 50 Prozent eine Verbrennung ohne Energierückgewinnung oder eine Deponierung angenommen. Die restlichen 4,6 Prozent werden achtlos weggeworfen und nicht durch Abfallsammelsysteme erfasst [4].

Im Vergleich europäischer Mitgliedsstaaten weisen Bulgarien, Tschechien, Griechenland, Rumänien und Italien pro Kopf und Jahr besonders hohe Verbräuche an Plastiktüten auf [4]. Irland, Luxemburg, Österreich und Deutschland zählen zu den europäischen Staaten mit einem vergleichsweise geringen pro Kopf Verbrauch an Plastiktüten [4]. Bei Betrachtung des absoluten Plastiktütenverbrauchs in Ländern der Europäischen Union gehört Deutschland hinter Italien, Großbritannien und Spanien jedoch zu den Spitzenreitern. Obwohl die Deutschen unter dem EU Durchschnittsverbrauch von Plastiktüten pro Einwohner liegen, spielt Deutschland eine wesentliche Rolle beim europäischen Gesamtverbrauch. Durch die hohe Einwohnerzahl Deutschlands werden im Vergleich zu anderen Ländern mit höheren pro Kopf Verbräuchen in der Gesamtheit deutlich mehr Plastiktüten verbraucht (siehe Abb. 1).

In Deutschland fallen laut dem Umweltbundesamt im Durchschnitt 65 Plastiktüten pro Einwohner und Jahr an [5]. Das entspricht einem bundesweiten Aufkommen von 5,3 Milliarden Plastiktüten im Jahr und 10.000 Plastiktüten in der Minute. Allein in der Bundeshauptstadt Berlin werden im Jahr mehr als 225 Millionen Plastiktüten genutzt. Bei einem konservativen Durchschnittsgewicht von 20 g pro Plastik-Tragetüte entstehen so jährlich 1,3 kg Verpackungsmüll pro Einwohner.

Im Unterschied zu vielen anderen Ländern gibt es in Deutschland im Rahmen der Sammlung von Verkaufsverpackungen über den gelben Sack oder die gelbe Tonne ein Erfassungssystem zur stofflichen Verwertung. Nach der Verpackungsverordnung müssen Hersteller von Verpackungen (u.a. auch von Plastiktüten) Lizenzentgelte an die Betreiber sogenannter dualer Systeme zahlen, welche die Erfassung von Verkaufsverpackungen ermöglichen. Auf diese Weise können Plastiktüten in Deutschland einer stofflichen Verwertung zugeführt werden. Allerdings landen längst nicht alle Plastiktüten im gelben Sack. Häufig werden sie in der Hausmülltonne entsorgt und anschließend mit dem Restmüll verbrannt. Insbesondere dann, wenn die Tüten als Müllbeutel verwendet werden. In der braunen Tonne entsorgte biologisch abbaubare Plastiktüten werden im Regelfall aussortiert und ebenfalls verbrannt [6].

berlintuetwas-faktenDie Recyclingquote für in Gelben Säcken gesammelte Plastiktüten beträgt nach Schätzungen nicht mehr als 40 Prozent. Auch bei der Verwendung von Plastiktüten als Sekundärrohstoff zur Herstellung anderer Produkte bleibt zu berücksichtigen, dass durch Downcycling und eine anschließende Verbrennung das Material verloren gehen kann. Auch der Export von in Deutschland gesammelten Kunststoffen in Länder ohne umweltfreundliche Sammel- und Recyclingsysteme führt zu einem Verlust der Materialien. Ein geschlossener Recyclingkreislauf für Einweg- Plastiktüten existiert in Deutschland deshalb nicht.

Im deutschen Textilwarenhandel, in Kaufhäusern oder auch im Kleingewerbe ist es immer noch üblich, dass jedem Käufer ohne Nachfrage eine oder mehrere Tüten zum Einkauf beigegeben werden. Durch die kostenfreie Abgabe wird der ungehemmte Konsum von Plastiktüten gefördert und ein sparsamer Umgang mit wertvollen Ressourcen verhindert. In Supermärkten wird dagegen für Einwegtüten ein Aufpreis verlangt, welcher in Abhängigkeit des Tütentyps (Plastiktüten aus Rohöl, aus nachwachsenden Rohstoffen, mit hohen Recycling- Anteilen oder biologisch abbaubar) zwischen 10 und 30 Eurocent variiert.

Was für handelsübliche Einweg-Tüten gibt es in Deutschland?

In Deutschland werden Einweg-Tüten in vielen unterschiedlichen Variationen angeboten, welche sich je nach gewünschtem Einsatzzweck voneinander unterscheiden. Es gibt Sie mit Schlaufen, Grifflöchern, Seitenfalten und Standböden sowie mit dünner oder dicker Wandstärke. Die einzelnen Einweg-Tüten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Form und Dicke, sondern vor allem hinsichtlich der zur Herstellung verwendeten Rohstoffe, der Materialart und der Materialeigenschaften. Tabelle 1 gibt einen überblick über handelsübliche Einweg-Tüten in Abhängigkeit von Materialart, Rohstoffeinsatz und biologischer Abbaubarkeit. Der größte Teil handelsüblicher Einweg-Plastiktüten wird aus dem Kunststoff Polyethylen hergestellt. Aufgrund seiner Materialeigenschaften, wie z.B. einer hohen Zähigkeit und Bruchdehnung, ist Polyethylen für die Herstellung von Plastiktüten gut geeignet. Zum Transport von Lebensmitteln werden typischerweise die dünneren Plastiktüten aus High Density Polyethylen (HDPE) verwendet. Etwas stabilere Supermarkt-Tragetaschen werden durch Polyethylen niedriger Dichte hergestellt (Low Density Polyethylen, kurz LDPE). Die meisten Plastiktüten aus Polyethylen bestehen aus fossilem Rohöl und lediglich ein Bruchteil wird aus recycelten Materialien produziert.

Im Einzelhandel werden biologisch abbaubare Plastiktüten ergänzend zu herkömmlichen Plastiktüten angeboten. Als biologisch abbaubare Plastiktüten werden überwiegend solche aus Maisstärke oder einem Kunststoffgemisch aus maisbasierter Polymilchsäure und fossilem Rohöl verwendet. Oxo-abbaubare Plastiktüten aus fossilen Rohstoffen, welche unter UV-Licht in Einzelteile zerfallen, spielen in Deutschland kaum eine Rolle. Biologisch abbaubare Plastiktüten werden bislang aus Neumaterial gefertigt. Im Vergleich zu Plastiktüten aus Polyethylen sind die Verkaufszahlen biologisch abbaubarer Tüten gering [4]. Als Alternative zu Einwegtüten aus Plastik werden auch Papier-Tüten verkauft. Diese werden in der Regel nur einmalig verwendet, weil sie sehr leicht reißen und keine Feuchtigkeit vertragen.

Ausgangslage

Welche Umweltauswirkungen haben Einweg-Plastiktüten?

Eine Alternative: Mehrweg-Tragetaschen

Maßnahmen zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauches

Positionen deutscher Parteien zur Nutzung von Einweg-Plastiktüten


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