Eine Alternative: Mehrweg-Tragetaschen

Warum sind Mehrweg-Tragetaschen umweltfreundlich?

04-tragetaschenFür eine Tüte, die nicht hergestellt werden muss, wird weder Material, noch Energie benötigt. Dieser einfach klingende Grundsatz entspricht dem Vermeidungsansatz der fünfstufigen Abfallhierarchie der europäischen Abfallrahmenrichtlinie und des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes: Abfälle sind in erster Linie zu vermeiden. Nicht vermeidbare Abfälle sollen in abnehmender Prioritätenfolge wiederverwendet, recycelt, verwertet oder beseitigt werden.

Aufgrund ihres Mehrwegcharakters bieten Tragetaschen aus Baumwolle, Jute oder Kunststofffasern einen hohen Anreiz, für umweltbewusstes und ressourcenschonendes Verhalten. Für einen umweltbewussten Einkauf sollten Verbraucherinnen und Verbraucher eine Einkaufstasche, einen Rucksack oder einen Korb benutzen – gleichgültig, ob aus Baumwolle, Jute, Kunstfaser oder anderem Material. Denn: Mehrweg ist besser als Einweg. Das Umweltbundesamt bestätigt „Stofftaschen und andere Mehrweg-Behälter schneiden aus Umweltschutzsicht deutlich besser ab als alle Arten von Einwegtüten, die oft auch viel zu schnell zerreißen und ihren Zweck nicht mehr erfüllen“ [5].

Um eine Plastiktüte zu produzieren, benötigen die Hersteller Erdöl, Energie und Wasser. Dieser Einsatz natürlicher Ressourcen und die Umweltbelastungen werden begrenzt, wenn Tüten oder Taschen so oft wie möglich genutzt werden. Aufgrund ihrer Verarbeitung und Stabilität sind Mehrwegtragetaschen darauf ausgelegt bis zu mehrere hundert Mal wiederverwendet zu werden. Durch die Verwendung einer Mehrwegtasche und den Verzicht auf die Nutzung von Einwegtüten könnte ein Durchschnittseuropäer jeden zweiten Tag eine Plastiktüte, in einem Jahr 176 und in 20 Jahren über 3.500 Plastiktüten vermeiden.

Damit eine Mehrwegtragetasche ökologisch besser abschneidet als eine Einweg-Plastiktüte ist eine Mindestanzahl an Wiederverwendungen notwendig. Mehrwegtragetaschen benötigen aufgrund ihrer Verarbeitung und Materialstärke gegenüber Einweg-Plastiktüten mehr Material, Ressourcen und Energie zur Herstellung. Klassische Materialien für Mehrwegtaschen, wie z.B. Baumwolle, Bast oder Flachs, verursachen durch ihren Anbau hohe Umweltauswirkungen in den Umweltbewertungskategorien Wasser- und Energieverbrauch, Eutrophierung und Versauerung. Um diesen „ökologischen Rucksack“ abzubauen, müssen Baumwollbeutel zwischen 25 und 32 Mal wieder verwendet werden, um besser als Polyethylen-Tüten aus Neugranulat abzuschneiden [10, 21].

Die notwendigen Wiederverwendungszyklen von Mehrwegtragetaschen für eine ökologische Vorteilhaftigkeithängen im Einzelnen von der Mehrwegtasche selbst und den zu vergleichenden Plastiktüten ab. Wenn Baumwolltragetaschen ökologischer sein sollen als Plastiktüten aus überwiegend recyceltem Kunststoff, dann muss diese 83 Mal wieder verwendet werden. Vergleicht man eine Baumwolltasche jedoch mit einer biologisch abbaubaren Einweg-Tüte aus Polylactid, dann muss diese lediglich sieben Mal genutzt werden [21].

Neben Naturfasern werden Mehrwegtragetaschen auch zunehmend aus Kunststoffen, wie Polypropylen oder Polyester hergestellt. Mehrwegtaschen aus Kunststoff weisen hinsichtlich der Rohstoffbereitstellung und Produktion deutliche Vorteile gegenüber Naturfasern auf und benötigen daher deutlich weniger Wiederverwendungen, um umweltfreundlicher als Einweg- Plastiktüten zu sein. So ist eine Mehrwegtragetasche aus Polypropylen bereits nach drei Nutzungen umweltfreundlicher als eine Einweg-Tüte aus Polyethylen [10].

Zusätzlich werden viele Mehrwegtragetaschen bereits zum überwiegenden Teil (bis zu 90 Prozent) aus recyceltem Material, wie z.B. alten PET-Getränkeflaschen hergestellt.

Was für Mehrweg-Tragetaschenprodukte gibt es in Deutschland?

04-tragetascheUnter jungen Leuten ist sie mittlerweile fast zu einem Trend geworden: die Stofftasche aus Baumwolle, Canvas oder Jute. Bedruckt mit bunten Motiven oder witzigen Sprüchen ist sie vom reinen Öko- zu einer Art Lifestyle- Utensil aufgestiegen.

Um die Nutzung von Baumwolltragetaschen noch attraktiver zu machen, setzen einige Händler auf ein Pfandsystem für Mehrwegtragetaschen. Gegen Erhebung eines Pfandes, kann der Kunde seine gekaufte Pfandstoff-Tasche auszutauschen, sollte diese nach vielen Einkäufen beschädigt oder verschmutzt sein.

Gleichzeitig werden immer häufiger Mehrwegtragetaschen aus Kunststoff eingesetzt. Dabei gibt es klassische Tragetüten aus glattem Polypropylen (PP) oder aus gewebter Kunststofffaser mit angenähten Tragegriffen. Solche Tüten tragen ohne Probleme 15 kg – genug für einen Großeinkauf. Mehrweg-Kunststofftüten aus PP sind ohne Probleme recyclebar und beinhalten häufig recyceltes Material.
Ein besonders intelligentes und umweltfreundliches Mehrwegprodukt ist die zusammenfaltbare Tragetasche aus Polyester. Angeboten wird diese Mehrwegtragetasche in einer wiederverschließbaren Tasche, welche ebenfalls aus Polyester besteht. Beides zusammen ist nicht größer als eine Packung Taschentücher. Inklusive Verschlusstasche wiegt der Mehrwegbeutel nur 31 Gramm, ohne Verschlusstasche ist er mit 26 Gramm sogar leichter als viele Einweg-Plastiktüten und trägt bis zu zehn Kilo.

Förderung von Mehrweg-Tragetaschen

Unabhängig von Maßnahmen zur Reduktion des Verbrauches von Plastiktüten sollten alternative Mehrwegtragetaschen ökologisch optimiert, ansprechend gestaltet und deren Nutzung gefördert werden. Anbieter von Mehrweg-Tragetaschen sollten aus ökologischen Gründen auf eine sehr gute und robuste Verarbeitung, auf den Einsatz von Recycling-Materialien zur Herstellung und auf eine Recyclingfähigkeit des Materials achten. Egal ob aus Baumwolle, Canvas oder Jute – Mehrweg-Tragetaschen sind durch trendige Designs und flotte Sprüche längst kein Öko-Nischenprodukt mehr. Mit ausgefallenem und exklusivem Aussehen kann eine sehr gute Akzeptanz erreicht und Vorurteile abgebaut werden.

Neben Informationskampagnen über die Vorteile von Mehrweg-Tragetaschen gibt es insbesondere im Handel geeignete Anreizsysteme, um deren Nutzung für Kundinnen und Kunden attraktiver zu machen. So könnten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf einer Mehrwegtragetasche eine Rabattgutschrift erhalten. Möglich wären auch Gutschriften im Rahmen von Bonuspunkteprogrammen. Verbraucherinnen und Verbraucher, welche über sogenannte Payback-Karten verfügen, könnten auf diese Weise beim Kauf einerMehrwegtragetasche problemlos Bonuspunkte erhalten. Ein weiteres Anreizsystem für die Nutzung von Mehrwegtragetaschen wäre das Angebot einer freiwilligen Verlosungsteilnahme beim Kauf einer Mehrweg- Tragetasche.

Ausgangslage

Zahlen und Fakten zu Plastiktüten

Welche Umweltauswirkungen haben Einweg-Plastiktüten?

Maßnahmen zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauches

Positionen deutscher Parteien zur Nutzung von Einweg-Plastiktüten

 

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